Deutsche Autobauer und Klimapolitik

Ein InfluenceMap Bericht

November, 2021

German automakers dominate the fight to weaken climate regulation

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InfluenceMap's new report finds that BMW has emerged as the German automotive sector’s leading opponent of climate policy in Germany and Europe. While the German automotive industry has increasingly stated top-line support for the Paris Agreement and long-term climate targets - key groups like BMW and the German Association of the Automotive Industry (VDA) have advocated to weaken near-term climate regulations to reach such goals. The report demonstrates how the German auto sector more broadly has lobbied against two key policies - higher CO2 emissions standards for light-duty vehicles and ICE phase-out dates. The research further highlights ‘green’ PR campaigns German automakers have used to deflect growing public and government concerns over the sector’s climate footprint, with road transport estimated to account for 19% of Germany's greenhouse gas (GHG) emissions in 2020.

The research highlights the threat to German and EU climate targets if regulations are weakened by negative automotive industry climate policy engagement. This is significant due to the ongoing German coalition government’s negotiations, which will likely include a road transport decarbonization plan, and current EU parliamentary negotiations on CO2 standards for light-duty vehicles. The research also highlights Volkswagen's mixed but increasingly positive direct climate policy engagement - while remaining a key member of industry associations, including the VDA, with active negative climate policy engagement.

Deutsche Autobauer dominieren den Kampf gegen nationale und europäische Klimaregulierung

  • Neue Recherchen deuten darauf hin, dass sich BMW im deutschen Automobilsektor als führender Gegner der Klimapolitik in Deutschland und Europa abzeichnet. Während die deutsche Automobilindustrie zunehmend generelle Unterstützung für das Pariser Abkommen und langfristige Klimaziele bekundet, haben sich wichtige Gruppen wie BMW und der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) dafür eingesetzt, kurzfristige Klimaschutzregulierung, um diese Ziele zu erreichen, zu schwächen. Die Recherchen heben auch ‚grüne’ PR-Kampagnen hervor, die die deutschen Autobauer nutzen, um von der Klimabilanz des Sektors abzulenken und die wachsende Besorgnis der Öffentlichkeit und der Regierung zu addressieren. Der Straßenverkehr machte im Jahr 2020 Schätzungen zufolge 19% der Treibhausgasemissionen in Deutschland aus.

  • Die Recherchen unterstreichen die Gefahr für die deutschen und EU-Klimaziele, wenn die Regulierung durch negative Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung der Automobilindustrie aufgeweicht wird. Dies ist aufgrund der laufenden Koalitionsverhandlungen in Deutschland, die wahrscheinlich einen Dekarbonisierungsplan für den Straßenverkehr beinhalten werden, und aufgrund der aktuellen Verhandlungen über CO2-Flottengrenzwerte für leichte Nutzfahrzeuge im EU-Parlament von Bedeutung. Die Recherchen heben auch die gemischt, aber zunehmend positiven direkten Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung von Volkswagen h ervor - während das Unternehmen weiterhin ein wichtiges Mitglied von Industrieverbänden, einschließlich des VDA, mit negativen Aktivitäten in diesem Bereich ist.

  • Die Recherchen beziehen sich auf die drei großen deutschen Autobauer und ihre beiden wichtigsten Industrieverbände, den Verband der Automobilindustrie (VDA) in Deutschland und den Europäischen Automobilherstellerverband (ACEA). Zusammen geben diese Gruppen Offenlegungen zufolge über 10 Millionen Euro pro Jahr für Lobbying in der EU aus. Die Recherchen umfassten die Sammlung und Analyse von über 1.000 Hinweisen zu Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung, von denen mehr als 400 aus den Jahren 2020 oder 2021 stammen. Dazu gehört eine beträchtliche Menge bisher ungesehener Informationen, auf die InfluenceMap durch mehr als zehn Anträge auf Informationsfreiheit (FOI) zugreifen konnte.

  • Bei negativen klimapolitischen Aktivitäten (mit Bewertungen der Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung in Klammern auf einer Skala von A bis F) scheint der Autobauer BMW (D), der in den Jahren 2019-21 aktiv gegen wichtige europäische Klimapolitik opponiert hat, zu führen. Dahinter folgt der Autobauer Daimler (D), der wichtige Klimapolitikpositionen und seinen Aktivitäten dazu nicht offengelegt hat. Im Gegensatz dazu zeigt Volkswagen (C) gemischt, aber zunehmend positiven klimapolitischen Aktivitäten. Alle drei Unternehmen sind Vorstandsmitglieder im Verband der Automobilindustrie (VDA) (E+), der negative Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung auf deutscher und EU-Ebene zeigt, und im Europäischen Automobilherstellerverband (ACEA) (D), der durchmischte bis negative Aktivitäten im Bereich Klimaschutzregulierung in der EU zeigt.

  • Die Recherchen heben hervor, wie deutsche Autobauer allgemein eine Verkehrsverlagerung zu umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn oder das Fahrrad zunehmend unterstützen und gleichzeitig den VDA und ACEA nutzen, um gegen wichtige Maßnahmen zur Verkehrsverlagerung zu opponieren.

  • Die deutsche Automobilindustrie hat auch in ausgefeilte komplexe ‚grüne’ PR-Kampagnen investiert, die ihre Marken und ihre Industrie mit ‚nachhaltiger Mobilität’ und Elektrifizierung in Verbindung bringen, während sie ihre Industrieverbände dazu nutzt, Lobbying gegen Klimagesetzgebung, um E-Autos zu fördern, zu betreiben. Zu solchen Kampagnen gehört die globale ‚Nachhaltigkeits’-PR-Kampagne von BMW zur Markteinführung seiner iX- und i4-EV-Reihen in „langfristiger Zusammenarbeit" ("long-term collaboration") mit Coldplay. Diese Kampagne zeigt einen Werbespot mit Models, die Kleidung mit Slogans wie "THERE IS NO PLANET B" („ES GIBT KEINEN PLANETEN B") und "MAKE EARTH COOL AGAIN" („MACHT DIE ERDE WIEDER KALT") tragen. Solche grüne PR steht in starkem Kontrast zu den Aktivitäten von BMW und VDA, die Klimagesetzgebung für Elektroautos in Deutschland und der EU zu schwächen und hinauszuzögern.

  • Dieser Bericht wurde von der englischen Originalversion übersetzt und kann sprachlich bedingte Ungenauigkeiten in der Übersetzung beinhalten. Wenn Differenzen oder Unstimmigkeiten zwischen der deutschen Übersetzung und dem englischen Original auftreten, gilt das englische Original.